Soziales Netzwerk nur für Teens: Musical.ly gelingt, woran Facebook scheitert hard-reset.net

Die App Musical.ly erlebt derzeit einen massiven Hype, der vor allen Dingen von Jugendlichen getragen wird – und zeigt auch, woran es bei Facebook und Co. hapert. Mit der App lassen sich zu den persönlichen Lieblingssongs eigene Musikvideos erstellen und mit anderen Nutzern teilen. Im Mittelpunkt steht dabei aber mittlerweile vor allem eine Frage: Wer kann mit seinen Clips die Massen für sich begeistern?

Hat Zuckerberg die Trendwende verpasst? Es ist mittlerweile bekannt, dass Facebook (und Google+ sowieso) für die Nutzerschaft unter 18 Jahren nicht mehr das Medium der Wahl ist, wenn es um soziale Interaktionen mit der breiten Masse geht. Dominiert wird vor allem Facebook aktuell eher von älteren Nutzern, die wichtige Lebensmomente in Bildposts festhalten, sich politischen Diskussionen in endlos langen Kommentarsektionen widmen oder ihre überaus wichtige Meinung der Umwelt mitteilen wollen.

Viral-brian
Kyle Craven, im Internet nur als „Bad Luck Brian“ bekannt, ist ein Paradebeispiel dafür wie schnell ein Foto sich durch Viralität verbreiten kann.

Doch was hat etwa ein 14-Jähriger Nutzer schon großartig seiner Umwelt mitzuteilen? Nichts, was das Risiko wert wäre, vielleicht am nächsten Tag zum Gespött der Mitschüler oder gar – viraler Verteilung zum Fluche – des gesamten Internets zu werden. Während Snapchat, WhatsApp und nicht zuletzt der Facebook Messenger Plattformen darstellen, wo die Jugendlichen im Freundes- und Bekanntenkreis mit ausgewählten Kontakten oder innerhalb spezifischer Gruppen kommunizieren, ist die öffentliche Zurschaustellung des Privatlebens an eine unkontrollierbare Zielgruppe kurz gesagt uncool geworden.

Tatsächlich ist auch der Schutz vor Sexualstraftätern, Betrügern und Cyber-Mobbing ein guter Grund, weshalb gerade Teenager vorsichtig damit sein sollten, was sie im Internet von ihrem Privatleben preisgeben. Gewissenhafte Eltern tragen ihren Anteil dazu bei, dass auf den herkömmlichen sozialen Netzwerken nicht selten nur die notwendigsten persönlichen Informationen der Teens zu finden sind und selbst vom Posten von (aktuellen) Kinderfotos wird mittlerweile dringlich abgeraten. Im Jugendalter wird man sich dann auch bewusst, dass der Arbeitgeber vielleicht das eigene Facebook-Profil bei künftigen Bewerbungen abchecken wird: Viele Einblicke in das Privatleben will man da sicherlich nicht gewähren.

Musical.ly: Eine App, in der Jugendliche sich unbesorgt der Welt zeigen können?

musical.ly

Auf den ersten Blick handelt es sich bei Musical.ly um eine reine Spaß-App. Mit ihr lassen sich bestimmte Songs mit selbst aufgenommen Clips verbinden, etwa um witzige Musikvideos zu erstellen. Dabei kann der Nutzer sowohl aus der eigenen Song-Bibliothek als auch aus einer riesigen Online-Mediathek auswählen. Direkt beim Starten der App wird aber deutlich, dass es weniger darum geht, für seine engsten Freunde und Bekannten unterhaltsame Clips zu drehen – sondern für die ganze Welt.

Der Startbildschirm von Musical.ly zeigt dem Nutzer zunächst einmal, welche Videos anderer Nutzer derzeit im Trend liegen. Durch eine einfache Wischgeste lässt sich ein Clip nach dem anderen anschauen und falls gewünscht mit einem Like versehen. Schaut man sich die Clips der populärsten Nutzer an, wird man feststellen, dass vor allem der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund steht: Es geht gar nicht unbedingt darum, per Playback möglichst überzeugend ein Musikvideo zu drehen, sondern durch Situationskomik oder eine Neuinterpretation der Lyrics (etwa eingebettet in einen Sketch) andere zu unterhalten.